loader image

depression

„Ich – depressiv?“ Die Krankheit zu akzeptieren, ist ein wichtiger erster Schritt. Sie müssen nicht alleine dagegen ankämpfen, sollten aber sofort damit beginnen.

Alleine durchhalten ist keine Lösung

Gerade Ersterkrankte, sagt sie, versuchen nämlich häufig erst einmal ohne Hilfe durchzuhalten. „Und das funktioniert in der Regel nicht gut.“ Dabei sind sich Betroffenenverbände einig, dass Depression gut behandelbar ist. Für den Großteil der Patienten findet sich ein Medikament, das die Emotionen wieder ins Gleichgewicht bringt. Auch die Psychotherapie hilft, mit den depressiven Symptomen zumindest besser umzugehen, Verhaltensweisen zu ändern und eventuell vorhandene zwischenmenschliche Probleme zu lösen. Der erste Schritt, sagt Dr. Strauß, sollte zum Arzt sein, „auch wenn man sich unsicher ist“. 
Selbsttests im Internet, wie sie etwa die Stiftung Deutsche Depressionshilfe (www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/depression-test-selbsttest.php) oder psychenet, das Hamburger Netz psychische Gesundheit, (www.psychenet.de/psychische-gesundheit/selbsttests/depressive-stoerungen.html#maincontent) anbieten, können auf eine Erkrankung hinweisen, eine ärztliche Diagnose jedoch nicht ersetzen. Die kann oft der Hausarzt schon stellen, zumindest aber kann er körperliche Ursachen ausschließen und Sie an Fachleute überweisen. Auch die Deutsche Depressionsliga rät in ihrer Patientenbroschüre zu zeitigem Handeln: „Es ist sehr wichtig, mit dem Arztbesuch nicht zu lange zu warten, denn je eher eine Depression erkannt und behandelt wird, desto glimpflicher verläuft sie in der Regel.“

Die Behandlung muss passen

Behandelt wird eine Depression vor allem mit Medikamenten, Psychotherapie, oder einer Kombination aus beidem. Dabei wirkt zwar nicht jedes Antidepressivum bei jedem Menschen gleich gut (https://www.dasgehirn.info/entdecken/krankheiten-1/den-schwarzen-hund-zaehmen); für den Großteil der Erkrankten lässt sich jedoch ein passendes Mittel finden. Auch bei einer Psychotherapie ist es wichtig, genau die richtige Behandlung zu bekommen. Dazu sollte vor allem das Vertrauensverhältnis zum Therapeuten stimmen. Lassen Sie sich nicht durch lange Wartezeiten davon abschrecken, den für Sie richtigen Ansprechpartner zu finden. Die Broschüre zitiert einen Patienten: „Es geht um DICH, und er soll gut für DICH sein, und wenn er es nicht ist, dann ist er es halt nicht. Dann bringt auch die Therapie nichts.“ 
In der Zwischenzeit können soziale Dienste helfen, sowie Beratungsstellen etwa der Caritas oder der Diakonie. Überlegen Sie, zumindest Ihre engsten Angehörigen und Vertrauten einzuweihen.  Sie schonen damit Ihre Kraft , auch weil sie nun die Illusion von Normalität nicht mehr aufrecht erhalten müssen. Dann können sich Ihre Lieben auch selbst über die Krankheit informieren und Ihr verändertes Verhalten besser einordnen. Die Entscheidung, wen Sie einweihen, liegt jedoch allein bei Ihnen.

Suche nach dem idealen Medikament

Und dann brauchen Sie viel Geduld. Auch mit dem idealen Medikament tritt eine erste Besserung in der Regel erst nach zwei Wochen ein, sagt Psychiaterin Strauß. Das ist also die absolute Mindestzeit, über die Sie ihre Medikament (Anti-Depressivum) einnehmen müssen, um überhaupt eine Wirkung zu spüren. Auch ist das erste Medikament nicht immer gleich erfolgreich oder es kommt zu Nebenwirkungen wie schlechtem Schlaf und verringerter Libido, sodass der Arzt ein zweites oder auch drittes Medikament erprobt. Eine Vorhersage, welche Arznei die beste für Sie ist, ist bisher leider nicht möglich.
Da heißt es: Durchhalten! Ihre Krankheit verhindert gerade, dass Sie das Licht am Ende des  Tunnels sehen. Aber es ist da, darin sind sich alle Experten einig: In einer Langzeitstudie war  die Hälfte der depressiven Patienten nach einem halben Jahr gesundet, und nach zehn Jahren war man bei 93 Prozent erfolgreich. Dies sollten Sie wissen und sich nicht überfordern, wenn sie nicht sofort eine Besserung verspüren. „Unrealistische Ziele verstärken nur die Symptome“, mahnt die Ärztin. Das gilt auch noch, wenn Sie bereits erste Fortschritte sehen.
Dr. Strauß warnt deshalb auch davor, zu früh alle Detailinformationen zu der Krankheit aufnehmen zu wollen, wie sie etwa die mehr als 300 Stichwörter in der Wissensdatenbank der Deutschen Depressionsliga (www.depressionsliga.de/wissensdatenbank/inhaltsverzeichnis.html) abbilden. „Wenn jemand noch ganz tief drin steckt in der Depression, sind Konzentrations- und Merkfähigkeit vermindert, da ist das schwierig.“ Umso wichtiger ist die Beschäftigung damit, wenn es Ihnen schon ein bisschen besser geht: „Der Patient sollte Experte seiner eigenen Krankheit werden.“ Dabei geht es nicht nur darum, Verhaltensweisen zu erkennen, welche die Depression fördern, und sie zu stoppen. So lernen Sie auch, nach Ihrer Genesung Warnzeichen besser zu erkennen, die auf eine erneute depressive Episode hindeuten könnten. 

Ein geregelter Tagesrhythmus hilft

Dieser Selbsterkenntnis dient auch der strukturierte Tagesrhythmus, den Experten empfehlen. „Dann kann man möglicherweise schnell erkennen, wenn irgendetwas anders ist. Das kann dann auf Depression hindeuten“, erklärt Dr. Maria Strauß. Zu diesem geregelten Leben gehören eine ausgewogene Ernährung, ein Verzicht auch auf die kleinen Alltagsdrogen wie Alkohol oder Koffein und ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus. Wenn Sie es morgens trotz lähmender Lustlosigkeit schaffen, aufzustehen, haben Sie wieder einen kleinen Sieg gegen die Krankheit errungen. „Das ist das Tagesziel: nicht liegen zu bleiben“, sagt die Ärztin. Denn auch zu viel Schlaf kann schädlich sein.
Hilfreich ist dagegen regelmäßige Bewegung. „Es gibt ein paar Studien, die feststellen, dass sich dann die depressiven Symptome und Angstgefühle verbessern. Auch in der Depression fühlen sich die Patienten damit besser“, erzählt Dr. Strauß, auch aus den Erfahrungen auf ihrer eigenen Station.
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen Sie, wenn Sie Sport in der Gruppe treiben. Denn auch wenn der Kontakt mit anderen Menschen im Moment anstrengend ist, Ihnen vielleicht sogar Angst macht, bleiben Freunde eine Bereicherung.  Manche Betroffene erzählen, dass ihnen eine Selbsthilfegruppe besonders gut getan hat: Dort verstehen alle Ihre Gefühlslage in einer Weise, die Ihren Angehörigen nicht immer möglich ist. „Unter sich erfahren die Betroffenen Akzeptanz, was ganz wichtig ist“, erzählt Dr. Strauß – auch aus Beobachtungen auf ihrer eigenen Station für Affektive Störungen, wo Patienten mit sehr ähnlichen Symptomen zusammenleben. Eine Suchmaske für regionale Selbsthilfegruppen stellt unter anderem die Deutsche Depressionsliga auf ihrer Website zur Verfügung.

EnglishFrenchGermanItalianPortugueseSpanish